ENDERS DOME / Electric Church

Die Ekstase wohnt in den Zwischenräumen

Gemeinsam mit dem Trompeter Joo Kraus, dem in München lebenden Organisten Andy Lutter und dem Schweizer Percussionisten Gregor Hilbe zelebriert Johannes Enders die physische Schönheit und mystische Verklärung des reinen, für sich selbst stehenden Tons.

ENDERS DOME / Electric ChurchENDERS DOME Fotos: Robert Aebli, Oskar Henn, Gregor Gugula, Mark Lessing

Das Programm vermischt Komposition, Improvisation und elektronische Intervention zu einer Auseinandersetzung zeitgenössischer Jazzmusiker mit dem sakralen Raum und der besonderen Akustik der Kirche. Konkrete und mystische Räume durchdringen einander, Seelenlandschaften gehen in den Nischen und Wölbungen der geweihten Wände auf.

„Enders Dome“ hebt die Zeit als chronologischen Prozess auf. Johannes Enders und seine Mitstreiter greifen zurück in eine Epoche, die weit vor allem liegt, was wir heute als Tradition begreifen. Doch Sie lassen sich nicht rückhaltlos in die Vergangenheit fallen, sondern entfachen einen Dialog. In dieser Hinsicht mag das Ensemble als Gegengift zum ständig wechselnden modischen Habitus taugen. Jedes Tröpfchen Zeitgeist, das man in diese Musik träufelt, verteilt sich im Ozean aller Ereignisse, die je passiert sind und noch passieren werden.

Sie ist von einer Last der Jahrhunderte geprägt, die dennoch ganz leicht wirkt. Und von einer Art Melancholie, die trotzdem nicht den Blick nach vorn verstellt.

Projekte wie Enders Room und das Tied & Tickled Trio haben den Saxofonisten Johannes Enders weit über die deutschen Grenzen hinaus bekannt gemacht. Wenn er jetzt mit seinem Projekt „Enders Dome“ abermals einen neuen musikalischen Raum absteckt, braucht man keine Angst zu haben, dass er sich selbst untreu wird. Schon der Titel des Projekts bezieht sich auf Enders Room. Und doch ist dieser Raum ganz anders gepolt, als man es von Enders kennt. Vom ersten Ton an wird deutlich, dass er hier nach einer anderen Art von Resonanz sucht, als ihm das ein gewöhnliches Venue bieten kann, denn ein Kirchenraum hat den Vorteil, dass die Zeit stehen bleibt.

Videos

Johannes Enders & Nils Petter Molvaer – The Essence of a Day

Johannes Enders & Nils Petter Molvaer – Kameido

Johannes Enders Biographie